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Bildende Kunst

Andy Warhol

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Andy Warhol
Andy Warhol 1987, im Jahr seines Todes — vor zwei seiner eigenen Siebdrucke.

Andy Warhol (1928-1987) kam nie nach Montreux. Sein Name steht dennoch auf dem Plakat zum zwanzigsten Festivaljubiläum, 1986 aus der Ferne mit Keith Haring gestaltet. Am Abend vor seiner Rückkehr aus New York war das Bildmotiv noch nicht fertig; Pierre Keller drängte Haring, eine Lösung zu finden: Notenlinien, von Warhol gezeichnet, zwischen Harings eigenen tanzenden Figuren. Claude Nobs, der gerade fünfzig wurde, erhielt ein rot-gelbes Plakat, in der Schweiz gedruckt und in Etappen ans Ufer des Genfersees geschickt. Warhol starb sieben Monate später, im Februar 1987: eine seiner allerletzten gedruckten Gemeinschaftsarbeiten trägt den Namen des Montreux Jazz Festival.

1986: ein Plakat signiert, ohne je gekommen zu sein

Das verpasste Treffen

Andy Warhol wuchs in Pittsburgh auf, wo er am 6. August 1928 unter dem Namen Andrew Warhola geboren wurde. Nach einem Designstudium am Carnegie Institute of Technology zog er nach New York und wurde ab den 1960er-Jahren zur zentralen Figur der amerikanischen Pop-Art: Die 1962 ausgestellten Campbell’s-Suppendosen machten ihn zur Ikone, noch bevor er fünfunddreissig war.

Vierundzwanzig Jahre später schreibt er sich, ohne je den Atlantik zu überqueren, von seinem New Yorker Atelier aus in die Bildgeschichte des Montreux-Festivals ein. Die Idee stammt von Pierre Keller, dem künstlerischen Berater des Festivals, der schon 1983 dafür verantwortlich war, Keith Haring nach Montreux zu holen. Zum zwanzigjährigen Bestehen der Veranstaltung, 1986, will Keller zwei Ikonen der New Yorker Szene zusammenbringen. Doch das Projekt zieht sich hin: Am Abend vor seiner Rückkehr in die Schweiz ist das Bildmotiv immer noch nicht fertig. In dieser Not schlägt Haring die Idee vor, die die Zusammenarbeit ermöglicht.

Andy Warhol und Keith Haring vor ihrer Gemeinschaftsarbeit, im Broadway-Atelier, Ende 1985.
Andy Warhol und Keith Haring vor ihrer Gemeinschaftsarbeit, im Broadway-Atelier, Ende 1985.© Pierre Keller

Notenlinien und tanzende Figuren

Haring schlägt Warhol vor, Notenlinien zu zeichnen — parallele Linien, die an eine Partitur erinnern — und platziert darauf seine eigenen tanzenden Figuren, wie ebenso viele Noten. Die beiden Männer entscheiden sich für Rot und Gelb; Pierre Keller sah darin später ein schelmisches Augenzwinkern: „Das ist sehr schweizerisch, es wird die Leute an die Maggi-Würze erinnern.“

Das Plakat wird in der Schweiz im Siebdruck gedruckt, im Atelier Albin Uldry in Hinterkappelen bei Bern — hundert mal siebzig Zentimeter, einer der wenigen materiell schweizerischen Schritte des ganzen Projekts. Die Typografie und die beiden Unterschriften folgen separat per UPS, mehrere Tage nach Kellers Rückkehr nach Montreux. Es dient sowohl dem zwanzigsten Montreux Jazz Festival als auch dem siebten Montreux-Detroit Jazz Festival und wird im März 1986 in New York vorgestellt, Haring und Warhol nebeneinander.

Das Bild von 1986, aus ihrer Zusammenarbeit entstanden.
Das Bild von 1986, aus ihrer Zusammenarbeit entstanden.

Die letzte Unterschrift

Warhol stirbt am 22. Februar 1987 in New York an den Folgen einer als Routine angekündigten Gallenblasenoperation, die schiefgeht. Er war achtundfünfzig Jahre alt.

Das Montreux-Plakat, kaum ein Jahr zuvor entstanden, zählt damit zu seinen allerletzten gedruckten Gemeinschaftsarbeiten — eines der letzten Dokumente, die die beiden Künstler, die die New Yorker Pop-Art im Abstand von zwanzig Jahren dominiert hatten, noch nebeneinander zeigen. Es gehört heute zur Galerie, die das Montreux Jazz Festival von jeder Ausgabe führt — die einzige physische Spur von Andy Warhols Präsenz an der Riviera, obwohl er selbst nie einen Fuss dorthin gesetzt hat.